26. Januar 2009
 

Reisebericht Israel und Westjordanland 15. bis 18. Januar 2009

Liebe Freundinnen und Freunde, der Krieg im Nahen Osten lst nicht nur in der arabischen Welt, sondern auch in Deutschland und Europa einen hoch aufgeladenen Streit der Meinungen aus: Hier diejenigen, die ein militrisches Vorgehen Israels gegenber der Hamas fr legitim halten; dort jene, die die Leiden der palstinensischen Zivilbevlkerung ausschlielich der israelischen Verantwortung zuschreiben. Bremen ist eine Stadt, die sich zugute halten kann, die Geschichte der Vertreibung und Ermordung der Juden im Sinne der historischen Verantwortung aufzuarbeiten. Umso alarmierender ist, wenn es selbst in solch einer Stadt eine Grodemonstration gab mit der Parole Zionisten raus aus Palstina. Damit wurde der politische Grundkonsens verlassen, dass es im Nahen Osten um einen historischen Ausgleich geht zwischen dem israelischen und dem palstinensischen Volk mit der Bildung von zwei Staaten. Vergangene Woche reiste ich nach Israel. Noch in der letzten Nacht vor meiner Rckkehr haben sowohl die israelische Regierung als auch die Hamas einen Waffenstillstand erklrt. Dennoch ist der Weg zu einem Ausgleich im nahen Osten noch unendlich weit. Mit jedem Tag und jedem Ort, den ich besucht habe, verschoben sich die Perspektive und die Einschtzungen: Die Not der Bewohner der Grenzstadt Sderot und die Bedrohung Israels durch die Raketenangriffe aus dem Gaza sind grer, als bei uns wahrgenommen. Dennoch ist die militrische Antwort der israelischen Armee unter dem Vorzeichen des asymmetrischen Krieges mit einer schweren Hypothek belastet. Das Leiden der Menschen im Gaza hat die Legitimitt dieser bewaffneten Gegenwehr immer strker in Frage gestellt. Zwei Punkte gilt es fr mich festzuhalten: 1. Warum ist die Situation in Sderot so lange von der internationalen Gemeinschaft ausgeblendet worden? Muss nicht der, der die israelische Intervention ablehnt, sich der Frage stellen, wie und wer dann die Sicherheit der Brger in Sderot, in Ashkalon, in Beersheva und knftig in Tel Aviv gewhrleisten soll? 2. Kritik an Israel ist erlaubt und manchmal auch notwendig. Es bleibt die Frage nach den Untertnen: Als Brgerinnen und Brger des Landes, von dem die Shoah ausging, knnen wir unserer historischen Verantwortung gegenber Israel nicht entkommen. Die Trennlinie zwischen denen, die Kritik ben an der israelischen Politik und dazu besteht jedes Recht gegenber denjenigen, die sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen mssen, besteht in der Figur des Opfer der Opfer. Es bleibt die Gewissheit, dass nur zwei Staaten auf dem Boden des ehemaligen britischen Mandatsgebietes eine Perspektive der friedlichen Koexistenz erffnet von Ausshnung ganz zu schweigen. Doch obwohl das Ziel klar ist und die Kernelemente eines solchen Kompromisses allen bekannt sind, ist der Weg dorthin bisher noch verstellt. Es scheint ganz so, als seien beide Parteien nicht zu den notwendigen Kompromissen aus eigener Kraft fhig. Bleibt zu hoffen, dass Prsident Obama eine neue Chance hat, den Weg dorthin zu ebnen. Grne Gre von Marieluise Beck

Reisebericht Israel 15. bis 18. Januar 2009

Green Movement

Green Movement grndete sich vor kurzem als junge, linke und breiter aufgestellte Alternative zur bereits bestehenden Grnen Partei Israels, die zu sehr als "Einpunktbewegung" wahrgenommen wurde. Sie kooperieren interessanterweise mit der mitte-links ausgerichteten religis-zionistischen Partei Meimad und hoffen so auf einen Parlamentseinzug.

Eine Debatte ber den Krieg wird im Green Movement derzeit weitgehend ausgespart, aus Sorge vor einer Spaltung der noch jungen wenig gefestigten Parteistrukturen. Klar wurde das Fehlen einer langfristig angelegten israelischen Politik gegenber Gaza bemngelt. Auf der anderen Seite sei auch die Lage der Palstinenser deprimierend und von fehlenden Alternativen geprgt. Die PLO sei weitgehend korrupt, die Radikalisierung von Hamas stoe eben-falls auf Ablehnung, da diese Gewalt gegen skular eingestellt Palstinenser anwende, wenn etwa Hochzeitsgesellschaften wegen dem Spielen weltlicher Musik beschossen wrden. Entsprechend ruhig bleibe deshalb die palstinensische Bevlkerung in der Westbank. Der Konflikt zwischen Israelis und Palstinensern knne nur auf der Basis gegenseitiger Anerkennung und dem Fokus auf territoriale und nicht religise Fragen verhandelt werden.

Akiva Eldar, israelische Tageszeitung Haaretz

Nach Eldars Einschtzung war es ein Fehler, Gaza in einem unilateralen Schritt von israeli-scher Seite zu rumen. Die zunehmende Zahl ziviler Opfer durch die israelische Armee werde das Ende des Kriegs eher beschleunigen.

Allerdings sei Hamas nicht homogen. Jetzt sei es zielfhrend, die Hamas zu spalten, indem den Palstinensern der Unterschied zwischen dem Leben unter Hamas und PLO verdeutlicht werde. Teilen von Hamas knnte durch der Aufgabe einiger Grundstze in einer Regierung der Einheit integriert werden. Allerdings knne Hamas argumentieren, dass zehn Jahre Ver-handlungen der PLO keine Ergebnisse erbrachten, whrend fnf Jahre Krieg der Hamas Is-rael zum Rckzug zwang. Die Bindung der sunnitischen Hamas zum schiitischen Iran ist nach Eldar aus religisen Grnden nicht besonders gro.

Eldar beschrieb das zuweilen Paradoxe der Politik, nachdem Hardliner wie Netanjahu eher in der Lage seien, Gaza zu rumen, das Ziel der Zerstrung von Hamas aufzugeben sowie bei der Siedlungspolitik Zugestndnisse zu machen, als liberal eingestellt Politiker. Likud und die Arbeitspartei wrden nach den Wahlen versuchen, Kadima zu marginalisieren.

Shlomo Brom, Institute for National Security Studies (INSS)

Brom berichtet von einer vergleichenden Analyse des Instituts zwischen dem Gaza-Krieg und dem NATO-Einsatz gegen Serbien 1999. Damals wie heute kme es zu einer hnlich hohen Anzahl ziviler Opfer (1999: 2.000 zivile Opfer in 78 Tagen Bombardement), die nur mit dem Einsatz von Bodentruppen zu verringern sei. Derzeit sei in Gaza die Situation besonders schwierig, da der Konflikt von beiden Seiten im zivilen Raum ausgetragen werde - die Hamas aus Kalkulation, Israel aus militrisch begrndeter Reaktion. 20 bis 30 Prozent der eigenen Verluste wrden durch sogenanntes "friendly fire" hervorgerufen. Kameraleute seien ebenfalls gefhrdet, da die geschulterten Kameras immer wieder mit Waffen verwechselt wrden. Auch gebe es nach dem Beginn einer kriegerischen Auseinandersetzung nur noch wenig Raum fr Interventionen. Dies zeige, dass mit dem Primat der Politik grundstzlich eine Situation hergestellt werden msse, in der Gewalt nicht notwendig und ein Kriegsaus-bruch zu verhindern sei.

Jedoch sei es dazu im Dezember bereits zu spt gewesen. Nach Einschtzung des Instituts wre Hamas binnen drei Monate im Besitz von Raketen mit Reichweiten bis Tel Aviv gewesen. Eine Kontrolle der Grenze zu gypten sei umso elementarer, wenngleich fr gypten nicht einfach. Der Sinai sei dnn und vorwiegend durch Berber besiedelt und gypten unentschieden ob der Hrte des Vorgehens gegen Hamas.

Besonders kritisch sei die Vorbereitung von Hamas auf konzertierte Aktionen gewesen, wie Tunnelbauten unter der Grenze von Gaza zu Israel, um in Israel auftauchen und Geiseln nehmen zu knnen. Man habe zwar die Eingnge auf Gazaseite nicht aber die geplanten Ausgnge gekannt und sei zur Zerstrung der Tunnels bergegangen, wobei ein Hamas-Kmpfer gettet und einer der Hauptgrnde fr die Aufkndigung der Waffenruhe geliefert worden sei. Elementar fr einen Waffenstillstand sei deshalb das Einhalten eines Sicherheitsabstands von 500 Metern von der Grenze durch Hamas.

Hamas-Kmpfer htten sich von einer Guerillatruppe zu einer regulren Armee von 10 bis 20 Tausend Mann entwickelt, die durchaus in Uniformen - auch israelischen - sich nach folgendem Muster bewegten:

- Hervorrufen maximalen Schadens an israelischen Zivilisten bei Inkaufnahme palstinensischer Zivilopfer bei israelischen Gegenangriffen;

- Reaktion auf Schutzmanahmen Israels (Bau eines Schutzzaunes zur Verhinderung von Selbstmordattentaten) mit vermehrtem Raketenbeschuss;

- Aufrstung mit Antipanzerwaffen und Flugzeugabwehr als Vorbereitung auf den israelischen Angriff sowie zunehmende Untersttzung bei der Aufrstung durch den Iran u.a. mit sogenannten Katjuscha-Raketen.

Der Logik einer Guerillaarmee folgten Manahmen wie:

- Beschuss israelischer Stdte auch mit unprzisen Waffen, da diese explizit Zivilisten tten oder zumindest Stress erzeugen sollten. In Sderot etwa sei seit langem kein normales Leben mehr mglich. Fr Israel dagegen sei Przision notwendig, um Zivilisten zu schonen;

- Schaffung von Tunnelsystemen, um unerwartet an unterschiedlichen Punkten fr Angriffe auftauchen zu knnen. Israel habe deshalb die Einfuhr von Zement nach Gaza unterbunden, der vorwiegend fr die Tunnel statt fr Hausbau verwendet wurde;

- Anlage von Sprengfallen mit bis zu einer Tonne Sprengstoff in Grben unter Straen, die per Fernzndung beim berfahren durch israelische Panzer zur Explosion gebracht werden sollten. Israel habe diese im Vorfeld aus der Luft zerstrt.

Seit Abzug Israels aus Gaza sei der Schmuggel zu einem groen Problem geworden, mit dem ber etwa 300 Tunnel auch unzhlige Tonnen Sprengstoff eingefhrt wrden.

Israel sei nicht der Illusion erlegen, man knne Hamas zerstren. Allerdings sei diese eine menschenverachtende Organisation, in deren Charter Juden als Affen bezeichnet wrden. Die Organisation msse man in ein System der Eingrenzung zwingen und dann schwchen mit Anreizen und Beschrnkungen, wozu auch eine Grenzffnung fr Menschen und Waren gehre. EU und USA sollten Abbas strken und Hamas schwchen, ohne jedoch einen zu tiefen Keil zwischen die Gruppierungen zu treiben. Ziel sei eine Regierung der nationalen Einheit und der Beginn einer Transformation wie bei der IRA.

Avirama Golan, Mitherausgeberin der israelischen Tageszeitung Haaretz

Frau Golan ist vor gut einem halben Jahr mit ihrem Partner nach Sderot gezogen, der dort ein Internetsystem fr Kinder und alte Menschen aufgebaut hat, das Schutzrume und Bunker versorge.

Golan schilderte die unvorstellbare Belastung durch jahrelang andauernde Bedrohung durch Einschlge von Raketen vor allem fr Kinder. 4.000 der ehemals 20.000 Einwohner htten Sderot verlassen. Die Zurckgebliebenen seien oft schwer gestrt, Kinder weigerten sich alleine zu duschen oder nssten nachts ein.

Momentan sieht Golan die Gefahr, dass die religisen Krfte auf beiden Seiten die Idee einer Zweistaatenlsung aufgeben knnten. Es gebe im brigen keine Linke und keine Rechte mehr in Israel.

Cindy Flash, Mitarbeiterin am Sapir College, Sderot

Cindy Flash zeigte uns die Augenbrauen ber den Fenstern, mit denen das Sapir College zum Schutz der Klassenrume seiner 5.000 Studenten versehen ist. berall sind neue Schutzhuschen aufgebaut. Der Campus ist relativ leer. Die Studenten verlassen nicht mehr gerne das Haus, weil stndig Raketen einschlagen.

Flash und ihr Mann lebten 25 Jahre in einem Kibbuz etwa 1 km vom Gaza entfernt. Nachdem dieser sich aber von der sozialistischen Idee immer weiter entfernt habe, zogen sie in ein kleines Reihenhaus am Rande der Siedlung. Von der Dachterrasse sieht man auf die Felder, die das Kibbuz bewirtschaftet und hinter deren Grenze die Zaunanlage zum Gaza beginnt. Diese Anlage erinnert an die innerdeutsche Grenze, es gibt jedoch keine Wachtrme. Gaza liegt etwa 1 km entfernt und die Wohnanlagen sind sehr gut zu erkennen. Am Horizont zeigten sich weitgehend intakte Huser sowie die Wohnsiedlung, die Arafat nach sei-ner Rckkehr aus Tunis fr seine Fatah-Offiziere hatte bauen lassen - und die jetzt eine Hauptabschussrampe fr die Raketen bildet.

Flash zeigt uns ein etwa 8 cm groes Teilstck einer Kassam-Rakete aus ihrem Garten und vor ihrem Haus die Stelle, wo vor kurzem ein Kibbuzarbeiter tdlich getroffen wurde. Sie berichtet, dass sie sich noch an die Zeiten erinnern kann, als sie nach Gaza zum Kaffeetrinken und Einkaufen fuhren. Nun sei der Alltag unter stndiger Anspannung zur Hlle geworden. Unter der Dusche wisse man nie, ob der Alarm im Haus anspringe und man feucht in den Schutzraum laufen msse. Bei der Autofahrt wisse man nicht, ob man lebend im College oder zu Hause wieder eintreffen werde. Jeder Gang aus dem Haus sei wie russisches Roulette.

In ihrem Haus ist ein extra verstrkter Schutzraum mit Metalltren, die vor das Fenster geschoben werden knnen. Nicht immer habe man 15 Sekunden Zeit, um dem Alarm zu folgen. Viele Raketen schlagen auch ohne Vorwarnzeit ein. Das Leben sei eigentlich nicht zu ertragen aber ihr Mann und sie dchten nicht an das Gehen.

Flash ist gegen die Invasion der israelischen Armee aber gleichzeitig sagt sie, dass gegenber dieser nun Jahre andauernden Hlle etwas entgegengesetzt werden msse. Was, das knne sie nicht wirklich sagen.

Kassam-Raketen

Ron Edelheit, Presseoffizier der Israelischen Streitkrfte (IDF), Sderot

Herr Edelheit betonte, dass zwar die Fatah wenig erfreulich, aber im Gegensatz zu Hamas wenigsten eine politische Organisation gewesen sei. Sie habe vom Hass gegen Israel gesprochen, Hamas spreche allerdings vom Hass gegen Juden, was eine neue Qualitt sei. Auch htten sich unter Hamas die Stellung und Rechte der Frauen in Gaza stark verschlechtert.

Der 4. November sei ein einschneidendes Datum, da an jenem Tag bei der Zerstrung eines Tunnels ein Hamaskmpfer gettet worden sei. Hamas sei dabei gewesen, zwei bis drei Tonnen TNT in den Tunnel zu bringen, um eine enorme Explosion auf israelischem Gebiet zu verursachen, dem man mit der Zerstrung des Tunnels zuvorgekommen sei. Mit der folgenden Zunahme der Raketenbeschsse auf 60 bis 80 pro Tag habe der Handlungsdruck auf die Regierung zugenommen.

Die derzeitige militrische Intervention ziele darauf, die Infrastruktur von Hamas zu zerstren und sie von weiteren Angriffen abzuhalten. Wichtig sei, binnen Stunden aus Gaza abziehen zu knnen, sollte die Politik eine Waffenruhe anordnen. Bis dahin sei jedoch Bewegung am Boden notwendig, um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden.

Prof. Galia Golan, Prof. Dan Jacobson und Mossi Raz, Meretz und "Peace Now"

In einer gemeinsamen Erklrung erklren palstinensische und israelische NGOs die militrische Gewalt gegen Zivilisten, die sowohl der Hamas wie auch dem israelischen Militr ausgeht, und verlangen eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen. Auerdem fordern sie darin die Aufhebung der Blockade des Gaza, eine internationale berwachung der gyptisch-palstinensischen Grenze, um den Waffenschmuggel zu unterbinden, eine internatio-nale Kampagne zum Wiederaufbau des Gazastreifen sowie die internationale Anstrengung zur Schaffung zweier Staaten auf Basis der arabischen Friedensinitiative.

Verschiedene Gesprche in Jerusalem

Der Grenzbergang Rafah sehe aus wie ein Campingplatz, da die Eingnge der Schmugglertunnel fr alle sichtbar durch Zeltdcher gekennzeichnet seien. Besonders dramatisch sei fr die palstinensische Bevlkerung, dass es trotz eines Krieges fr sie keine Fluchtmglichkeit gebe. Die Blockade habe dieses Tunnelwesen mit hervorgerufen.

Es sei unklar, welche Ordnungsmacht nach dem Waffengang berhaupt fr Gaza und Westbank brig bleibe. Abbas' Position werde von Tag zu Tag schwcher und es sei vollkommen unklar, wie eine Spaltung zwischen der Fhrung im Gaza und in der Westbank berwunden werden knne. Damit aber habe man kein gemeinsames Gegenber fr Verhandlungen. Es werde nach dem Ziel des Mekkaabkommens der Regierung der nationalen Einheit nunmehr von einer Regierung des Nationalen Konsenses gesprochen. Das bedeute eine Regierung von Technokraten, die vorrangig Wahlen in der Westbank und im Gaza vorbereiten und durchfhren sollten. Die Hamas lehne diese Idee jedoch eher ab.

Wir trafen auerdem auf die Einschtzung, dass mit einem syrisch-israelischen Abkommen, das die Rckgabe der Golanhhen beinhalte, Syrien mglicherweise sowohl die Hisbollah als auch die Hamas fallen lassen wrde, denn das Hemd sei ihnen nher als der Rock.

Aidan O'Leary, Stellv. Leiter UNRWA, Hilfswerk der UN fr Palstinensische Flchtlinge

O'Leary war sichtlich zornig und deprimiert ber das fr ihn unverhltnismige Vorgehen der israelischen Armee in Gaza, wenngleich jeglicher Angriff der Hamas auf zivile Bevlkerung Unrecht sei.

Nach seiner Einschtzung gebe es einen systematischen Beschuss von UNO-Einrichtungen, mit dem Ziel oder zumindest der Billigung der Ttung ziviler Bevlkerung. In den letzten vier Tagen habe es neun Zwischenflle gegeben, bei denen UNRWA-Gebude und Fahrzeuge beschossen worden seien. So sei der erste Angriff am 10. Januar um 11.30 Uhr whrend des Schichtwechsels an den Schulen geflogen worden, als besonders viele junge Menschen auf der Strae seien. Auch habe es vor dem Angriff auf das UNRWA-Gelnde am 15. Januar kein Raketenabschuss von diesem Gelnde aus gegeben. Vielmehr habe die Armee ber zwei Stunden die Angriffe fortgefhrt, obwohl in einem direkten Telefonat mit dem Generalstab der Armee auf dort gelagerte groe Mengen Treibstoffs und vielen Schutzsuchende hingewiesen worden sei. Die Israelische Armee habe geflschtes Material zur Rechtfertigung vorgelegt. Am 17. Januar sei eine UNRWA-Schule angegriffen worden, in der sich 1.680 Schler befunden htten, ohne dass hiervon eine Aggression ausgegangen sei. Das UNR-WA htte trotz Zusagen der israelischen Armee nicht mit LKWs die Grenze passieren knnen. Eine Versorgung der Bevlkerung mit Lebensmitteln sei nicht mehr mglich.

O'Leary berichtete von einem Arzt aus dem Norden des Gaza, der als politisch ungebunden ein gern gesehener Interviewpartner fr israelische Medien sei. Whrend eines Interviews sei sein Haus von der israelischen Armee angegriffen, drei seiner Kinder gettet und zwei schwer verletzt worden. Mit all diesen Schilderungen legte O'Leary nah, dass Israel deutlich weniger zur Vermeidung ziviler Opfer unternehme als behauptet.

Scharf kritisierte O'Leary die Verweigerung des Zugangs fr westliche Journalisten zum Ga-za. Damit werde Al-Dschasira das Berichterstattungsmonopol bergeben und in der Folge die muslimische Welt stark aufgeheizt.

O'Leary uerte die Einschtzung, dass Israel seit 1948 nie wirklich zu Verhandlungen mit einer palstinensischen Fhrung bereit gewesen sei. Die Idee einer internationalen Truppe lehnte O'Leary ab, da Israel mit der viertstrksten Armee der Welt sich gut selbst schtzen knne. Hamas sei als Widerstandsbewegung im Gaza jedenfalls verankert und der Weg zur einer Lsung mhselig, wie Europa durch das Beispiel Nordirland selbst ermessen knne.

Dr. Mustafa Barghouti, Generalsekretr der Palstinischen Nationalen Initiative, Ramallah

Die zwischen Hanija, Abbas und ihm ausgehandelte Regierung der nationalen Einheit vom 18. Mrz 2007 habe nie eine Chance erhalten. Grundlage sei u.a. Gewaltverzicht im Gegenzug zur Grenzffnung fr Gaza gewesen. Die Abriegelung des Gaza unter Billigung der USA habe das politische Gebude zum Einstrzen gebracht. Das Tunnelsystem habe sich etabliert und Hamas zumindest finanziell gestrkt. Der Waffenstillstand vom Juni 2008 sei von Israel gebrochen worden, weil entgegen der Abmachung nicht 450 LKWs tglich sondern maximal 80 mit sinkender Tendenz die Grenze htten passieren knnen.

In der Westbank habe die Fatah ihre korrupten Strukturen aufrechterhalten - u.a. finanziert durch die Budgethilfe der EU - und sei nach dem Sieg der Hamas in Gaza vom Westen dramatisch schn geredet worden. Sowohl Gaza als auch die Westbank seien von undemokratischen, repressiven Verhltnissen mit nepotistischen Zgen gekennzeichnet. Zu mglichst demokratischen Wahlen und einer neuen Regierung der nationalen Einheit unter Einbindung der Hamas gebe es keine Alternative. Letztlich wollten weder Jordanien noch gypten die Palstinenser dauerhaft aufnehmen.


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